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Maßkleidung goes Lifestyle – Teil 2/3

Jeder Kauf bestätigt eine Produktionsmethode

Teil 1 beschreibt die Bedeutung des Anzugs an sich, die Qualität von Echt-Maß und warum teure Stoffe keine längere Lebensdauer haben. Heute nun geht es um Maßkonfektion und maßangepasste Konfektion: Was ist der Unterschied? Ein dritter Teil befasst sich mit Second Hand und der Idee der Outfit-Portale.

Nachhaltigkeit steht über allen Handlungen

In den Diskussionen um nachhaltigen Textilkonsum wird der Ruf nach nachhaltiger Produktion von Fertigteilen und Geweben immer lauter, ausgerufen von Leuten die – Sie ahnen es – diese Waren selbst vertreiben. Und während der Nachweis über den wirklich nachhaltigen Herstellungsprozess als grün deklarierter Textilien oft noch zu erbringen ist, dürfen wir selbst uns Gedanken zu unseren Gewohnheiten machen – dem Konsum an sich.

Im Gespräch über nachhaltige Produktion stehen diese Punkte im Fokus:

  • Herstellungsmethoden und -bedingungen
  • Lieferwege und deren Umweltbelastung
  • Langfristige Folgen für unseren Globus und die Nachwelt

Wenige Menschen, die den Interneteinkauf schätzen gelernt haben, machen sich zum Beispiel Gedanken darüber, welche Staus und damit einhergehende Abgas-Emissionen durch in zweiter Reihe parkende Lieferservices verursacht werden … Wenn wir also ehrlich mit uns selbst und konsequent sein wollen, machen wir uns vor einem Kauf ein paar Gedanken, unabhängig davon, ob es sich um ein neues Auto, ein großes Gerät – oder aber ein Outfit handelt, das unsere Ausstrahlung trägt. Innezuhalten und sich diese Fragen zu stellen schont unseren Geldbeutel und die Umwelt:

  • Was muss mein neues Teil können?
  • Welche Eigenschaften braucht es dazu?
  • Wie wird hergestellt, was meine Bedürfnisse erfüllt – und was darf es kosten?
  • Wie hält mein neues Lieblingsteil möglichst lang?
  • Und wie gefällt es mir möglichst lang?

Maßkonfektion – der Spaß liegt im Detail

„Wo bleibt da der Spaß?“ wird unsere Neigung zum Lustkauf jetzt aufbegehren. Wenn wir uns aber darauf einlassen, gewinnen wir an der Komposition neuer Kleidungsstücke eine Freude, die sich bei jedem Tragen auf eine ansteckende Weise überträgt: Wir werden uns erinnern, wie wir Stoffe gefühlt und verglichen – und welche wonnige Qual wir bei der Entscheidung für Futterstoff, Knöpfe, Nähte und Schnittdetails empfunden haben. Diese abrufbare Emotion ist in ein selbst komponiertes Ensemble quasi mit eingenäht. Glücksgefühle to go …  

Anders als bei der Kleidung als Echt-Maß sind die Schnitte bei der Maßkonfektion bereits in allen Konfektionsgrößen vorhanden und hinterlegt. Wir wählen also aus einer Kollektion von Möglichkeiten und Größensätzen und können nur hoffen, dass die Beratung eine gute ist: Welche Linie schmeichelt der Figur? Welche Farben dem Teint? Wie style ich es später auf smart oder casual? Dieses stilsicher zu vermitteln, ist die nobelste Aufgabe der Maßkonfektionäre. Und nicht zu vergessen das Positive, das sich auf die generelle Haltung – unseren Stil eben – auswirkt.

In der Maßkonfektion ziehen Sie eine Probiergröße an, die in den Kardinalmaßen (Brustumfang und Schulter bei den Oberteilen, Hüftmaß bei den Unterteilen) am ehesten passt. Dann werden die individuellen Abweichungen von Ihren Körpermaßen (plus einer Bewegungszugabe) ermittelt und festgehalten. Das Ergebnis sind Stücke, welche individuelle Proportionen berücksichtigen und eine selbstverständliche Natürlichkeit besitzen, die souverän und elegant macht.

Denn: Kleidung, die zu klein ist, lässt übergewichtig oder linkisch aussehen – Kleidung, die zu groß ist, klein und irgendwie unbedeutend. Beides können wir im (Geschäfts-) Leben nicht brauchen.

Die richtige Passform bleibt das erste Stilmerkmal gut gekleideter Menschen.

Das Etuikleid – der zweitbeste Freund einer Frau

Nichts unterstreicht die Haltung und die Bewegungen einer Frau so sehr wie das (den Körper wie ein Etui umschließende) Kleid. Im besten Fall macht es ihrer Linie ein Kompliment – im schlechtesten verdirbt es die Figur, wenn Abnäher zu hoch oder zu tief sitzen oder ein Zuviel an Weite formlos macht. Wenn also etwas auf Maß gemacht sein sollte, dann das Etuikleid.

Durch den Wechsel von Jacke, Accessoires und Schuhen lässt es sich im Handumdrehen von lässig zu edel stylen, von daily business zu evening. Und nichts anderes kann dieses unnachahmliche Gefühl vermitteln, in der besten Bedeutung des Wortes Frau zu sein.

Maßangepasste Konfektion – etwas für den zweiten Blick

Es kann sein, dass Ihnen vorkonfektionierte Kleidung von der Stange gut passt und nur noch Details geändert werden müssen, eine Ärmel- oder Hosenbeinlänge hier – eine Bundweite da. Dann müssen Sie sich immer noch überlegen, ob Sie auf die einmalige Sensation verzichten wollen, mitzugestalten? Denn Eigenwilligkeiten sind hier genauso wenig möglich wie ein aufknöpfbarer Ärmelschlitz als Maßsymbol – oder ein Monogramm, welches jedem Masterpiece subtilen Charme verleiht.

Die Modekollektionen surfen dafür näher am Wellenkamm der aktuellen Trends. Wenn wir aber einen tieferen Blick in die Anzug- und Kostümabteilungen werfen, ob online oder analog, werden wir bei Vielem, was serienweise produziert wurde, eine bemerkenswerte Sparsamkeit in der Auswahl der Details sichten – vom günstigen Futterstoff bis zum billigen Knopf. Details, die auf Ihre persönliche Wirkung retro-reflektieren.

Gerade die in verführerischem Ambiente professionell fotografierten Trendmarken sind es, denen wir den schnellen Zuschlag per Mausklick geben. Nur zoomen wir nicht selten Detailansichten an Fotomuster heran, welche liebevoll verarbeitete Unikate sind … während die Serie dahinter in hohen Stückzahlen in einem ganz anderen Land gefertigt wird. Übrigens auch bei teuren Labels. Der Preisvergleich derweil fällt pari aus: Nicht selten legen wir für Kleidung von der Stange denselben Betrag hin wie für ein in Europa nur für uns gefertigtes Lieblingsteil.

Der dritte Teil ab 2. Juni befasst sich mit Second Hand und der Idee der Outfit-Portale.

Foto: The lazy artist galery, lizenzfrei von Pexels

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