Knigge

Die größten Fallen beim Business-Lunch

Businesslunch

Geschäfts- und Verhandlungspartner legen nur scheinbar die Arbeit nieder, um das Brot miteinander zu brechen. Dabei wird dem gemeinsamen Mittagessen in verschiedenen Ländern Europas (und weltweit) nicht immer die gleiche Bedeutung beigemessen. In Frankreich beispielsweise dient die Kultur dem gegenseitigen Kennenlernen, welches Grundlage des notwendigen Vertrauens ist, aus dem gutes Geschäft entsteht. Was aber sind die Fallen, die dem Erfolg im Weg stehen können?

Angesichts der überzeugenden Tatsache, dass man einander auch im Web 4.0-Zeitalter nur über den persönlichen Kontakt riechen kann, ist es schon einmal ein großer Fehler, die Verabredung als solche zu unterschätzen und unvorbereitet im letzten Moment am verabredeten Ort zu erscheinen. Ein gutes Gespräch verdient Vorbereitung – von der Wahl der Kleidung bis hin zu der Überlegung, ob der vorgeschlagene Ort auch stressfrei einen Parkplatz finden lässt. Wer seinem Geschäftspartner nicht nur „etwas verkaufen“, sondern ihn auch von der eigenen sozialen Kompetenz überzeugen will, nimmt sich Zeit. Am besten behandeln Sie jeden Lunch-Partner innerlich wie einen Franzosen. Denn dieser würde niemals Geschäft mit jemandem machen, dessen Tischkultur er nicht kennt – und diese geht über die Anzahl der Bestecke oder den viel zitierten und etwas müde gewordenen Hummer weit hinaus. Was sind nun die Themen in der Mittagskultur, die es zu würdigen gilt?

Das Einladungsritual

Es sorgt für Klarheit in der Beziehung, wenn im Vorfeld abgestimmt wird, wer wen einlädt und in welchem Rahmen das Lunchmeeting sein soll. Feines Tischtuch mit Textilservietten? Das ruft nach einem angemessenen Dresscode und etwas mehr Zeit. Und während die Rechnung unter Freunden meist zu gleichen Teilen beglichen wird, übernimmt sie im Business traditionell, wer das Restaurant – und damit den Kostenrahmen – vorgeschlagen und den Tisch bestellt hat. Egal ob Mann oder Frau.

Wahl der Nahrungsmittel

Es gibt Nahrungsmittel, die kaum jemand auf der Welt elegant verspeisen kann. Wraps mit ungehorsamen Inhalten und viel Sauce gehören genauso dazu wie Croissants, Spaghetti und Kampfsalate, die zu groß gerupft sind, weil es der Koch eilig hatte. Je wichtiger Ihnen der Gast und das Meeting sind, desto naheliegender ist ein Testessen vorher – natürlich mit Salatbestellung. Bei Hochzeiten ist das üblich – warum nicht auch bei geschäftlichen Vermählungen? Für mich persönlich ist die Qualität der Salate ein Gradmesser für die Sorgfalt des ganzen Lokals.  

Gesten der Tischkultur

Fern von der Anordnung der Gläser gibt es Gesten, die Tischkultur erkennen lassen – etwa, wie (und ob) die Serviette benutzt oder wie mit dem Brotkorb umgegangen wird. Der nämlich will immer angenommen und weitergereicht werden. Spuren von Speisen oder auch Lippenstift jedenfalls gehören nicht an die Glasränder.

Bestecksprache

Kellner, die ihren Beruf lieben, freuen sich, wenn sie an der Bestecksprache erkennen können, ob sie abräumen dürfen. Dabei wird kein Kellner, der auf sich hält, den Teller weg nehmen, wenn einer in der Tischrunde noch am Essen ist. Restaurants, die auf diese Weise Druck machen, um den Tisch schnell wieder neu zu besetzen, sind keine gute Wahl, wenn es um die Wertschätzung wichtiger Geschäftspartner geht. Ein entspanntes Ambiente ist auch für den Gastgeber – also für Sie – eine Empfehlung. Die Bestecksprache setzt voraus, dass auf dem Teller noch Platz ist, um das Besteck dort abzulegen – etwa, wenn Sie eine Pause machen. (Das erkennt der Kellner, wenn das Besteck in umgekehrter V-Form zur Tellermitte und mit dem Gabelzinken nach unten liegt.) Daher sollte auch am verführerischsten Buffet der Teller nie überladen werden. Lieber gehen Sie mehrfach.

Taktvoller Small Talk

Ob kleines Gespräch zum Kennenlernen beim Sektempfang oder die tiefe Unterhaltung beim Mehrgänge-Menü – manche Themen sind geeigneter als andere. Alles, was den Gesprächspartner irritieren oder unangenehme Emotionen wecken könnte, ist tabu. Mehrheitlich ist das bei Gesprächen rund um Krankheit und Tod, private Geldangelegenheiten, Politik und Religion der Fall. Auch Klatsch über nicht anwesende Dritte gehört nicht an den Tisch.

Gut geeignet sind dagegen Gespräche rund um den Anlass, der Sie zusammenführt, Anreise oder Reiseerfahrungen, Essenskultur und Themen von allgemeinem Interesse. Wenn möglich, informieren Sie sich vor einem Treffen darüber, was Ihren Gesprächspartner interessiert. Die Qualität des Zuhören-Könnens ist hier so gefragt wie nie. Nur dann finden Sie Gemeinsamkeiten und Themen, bei denen Sie auch geistig das Brot miteinander brechen.

Foto: Katharina Starlay