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Nachhaltigkeit: Echt jetzt?

Die Gänge auf der jüngst abgelaufenen Stoffmesse waren leer – die Gespräche tief. Der Branchentreff für die textilherstellende Industrie, die Stoffeinkäufer und Modemarken findet (unter anderem) zweimal jährlich in München statt. Hier erfährt man neben dem üblichen Who is who das Neueste aus der Branche, Trends und Tendenzen: Zum Beispiel im August 2022, was im Herbst-Winter 2023 / 2024 angesagt sein wird. Denn der Stoff ist der Saison stets anderthalb Jahre voraus …

Nachhaltigkeit sei das oberste Gebot für alle Einkäufer, hieß es. Darum haben es heimische Hersteller heute leichter als früher und erhalten mehr Aufmerksamkeit. Aber auch bei ihnen wird es leerer am Stand, wenn es um Preise geht, die nachhaltige Herstellung zu Deutschen Löhnen nun mal nach sich zieht …

Von den Knopfherstellern dagegen erfahre ich, dass der Trend zum „Einer für alle“-Knopf ginge – ein Knopfmodell für möglichst die ganze Kollektion: Weil Mengeneinkauf billiger ist, wird nun am Detail, welches das gut sichtbare Tüpfelchen auf dem i guten Designs ist, gespart. Kann aber monochromes Styling die Antwort auf die Frage sein, was Nachhaltigkeit ausmacht?

Und während sich die Branche Gedanken macht, wie sie dem Ruf folgen kann ohne dabei zu verarmen, dürfen wir uns als Konsumenten selbst an die sprichwörtliche Nase fassen und uns Gedanken über unseren ureigenen Textilkonsum machen, seine Menge und Frequenz. Auch wenn das in unserer Konsumwirtschaft niemand hören mag …

Im eigenen, egoistischen Interesse ist doch die Frage, wo der Preis noch im Produkt – und wo schon im Marketing steckt? Und welche Punkte stehen überhaupt zur Diskussion?

Stoffmesse 2022

Um dem auf die Spur zu kommen, lohnt sich ein Blick auf die Kleinigkeiten im Alltag, die uns selbst in den letzten Jahren zunehmend stören: Was sind unsere Aufreger im Straßenverkehr? Was unsere hitzigen Debatten im Freundeskreis? Was unsere Sorgen im Nachdenken über die Welt unserer Kinder? Zusammenfassend doch diese:

Die Herstellungsmethoden und -bedingungen

Niemand will für menschen-unwürdige Produktionsbedingungen, Farb-, Gerb- und Giftstoffe im Wasser oder CO2-Belastung verantwortlich sein. Zum Beispiel werden nicht verkäufliche oder wiederverwertbare Textilien aus Altkleider-Containern als Heiz- und Brennmaterial in andere Länder exportiert. Durch die massive Zunahme synthetischer Stoff-Bestandteile der Fast-Fashion-Industrie in den letzten zig Jahren aber entstehen bei deren Verbrennung giftige Gase, wie diverse TV-Sender in Spätabendsendungen vermitteln. Ganz zu schweigen vom Wasserverbrauch in der Herstellung dieser Textilien … 

Lieferwege und deren Umweltbelastungen

Wer spricht über die abgastreibenden Staus, die durch in zweiter Reihe parkende Zustelldienste in den Innenstädten verursacht werden? Denn auch E-Autos als Zusteller müssen irgendwo parken … und die meisten Fahrer lassen auch noch den Motor laufen, um Zeit zu sparen und den Zustell-Druck bei Mindestlohn zu erfüllen. Zwar regen wir uns darüber auf – wenige jedoch erinnern sich daran, wenn sie den nächsten Internetkauf tätigen. Auf alle Fälle ist es sinnvoll, Bestellungen zu bündeln, damit nicht lauter Sendungen mit Einzelteilen unterwegs sind.

Langfristige Folgen für unseren Globus und die Nachwelt

Die Generation der mit Vertikalanbietern aufgewachsenen Personen, welche die Wegwerf-Konsumkultur leben, ist inzwischen erwachsen. Die verkürzte Tragedauer von Textilien hat naturgemäß zur Folge, dass sich diese Generation mit den textilen Fasern, ihrem Ursprung und ihren Trage- und Pflegeeigenschaften noch nie befasst hat. Dieses Wissen soll nicht nur nicht verloren gehen, sondern auch genutzt, gelebt und vorgelebt werden. Dazu muss es lebendig erhalten werden.

Unter anderem davon handelt mein neues Buch, das im Frühjahr 2023 erscheint:

Es ist im eigenen Interesse und in dem unserer Kinder,

  • vor jedem Kauf unsere Bedürfnisse und die Anforderungen daraus zu definieren.
  • uns Wissen anzueignen und uns zu informieren (mit dem schönen Zusatznutzen der Bildung).
  • die beste Preisleistung für unseren Bedarf zu eruieren.
  • die Ware gut zu pflegen und zu behandeln.

… und entsprechend lange zu behalten.

Fotos: Katharina Starlay, 2022

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