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So sucht man das richtige Parfüm aus

Im Dezember steigen die Umsätze der Parfümerien. Düfte sind gute Geschenke – wenn man den richtigen Riecher hat. Stilberaterin Katharina Starlay hilft bei der Auswahl und bei der eigenen Einordnung in den richtigen Dufttyp.

„Das Parfum ist das unsichtbare aber unübertreffliche Mode-Accessoire“ konstatierte schon Coco Chanel. Ihr berühmtester Duft „Chanel No. 5“ von 1921 ist bis heute ein Topseller und kann zu Recht als Jahrhundertduft bezeichnet werden.

Tatsächlich kann ein falsch gewähltes Parfum die Ausstrahlung eines Menschen stark gefährden und manche Aussage unglaubwürdig machen. „Ich bin diskret“ glaubt einem niemand, wenn die olfaktorische Kommunikation jegliche Diskretion vermissen lässt und in erster Linie vermittelt, dass jemand gehört, wahrgenommen und auch gerochen werden möchte.

Glaubwürdigkeit beginnt also bereits hier – und ein Duftgeschenk kommt umso besser an, als es denTyp des Empfängers berücksichtigt und zu ihm oder ihr passt. Dabei ist ein Parfum ein sehr persönliches Geschenk und überwiegend Menschen vorbehalten, die wir innerhalb der persönlichen Distanzzone von einer Armlänge kennen und einschätzen können. Genauso weit sollte übrigens ein persönlicher Duft wahrnehmbar sein – nicht weiter.

Womit wir bei der Anwendungsmenge wären. Gegen Überparfümierung gibt es nur diesen Tipp: Bleiben Sie konstant bei der Anzahl Sprühstöße, die sich für einen Duft bewährt haben, auch wenn sich ihre Nase bereits an ihn gewöhnt hat und ihn nicht mehr so intensiv wahrnimmt. Je nach Konzentration von Parfum, dem intensiven Eau de Parfum (EdP) oder dem schwächeren Eau de Toilette (EdT) kann die richtige Menge, welche die magische Grenze nicht überschreitet, unterschiedlich sein.

Die Typfrage beeinflusst die Wahl

Bei der eigenen Typenzuordnung ist auch diese Überlegung entscheidend: „Wie viel Zeit bin ich eigentlich bereit, dem Thema Stil und Kleidung in meinem Leben zu widmen?“ Klassische und avantgardistische Typen sind aufwändiger und bringen eine höhere Styling-Toleranz mit, während natürliche mehr auf Zeiteffizienz setzen. Eine „Avantgarde“-Frau würde niemals gänzlich ungeschminkt morgens zum Bäcker gehen. Dabei ist wichtig, nicht zu bewerten, sondern dies bei sich selbst und anderen zu akzeptieren. Wenn es um Persönlichkeiten geht, gibt es kein gut oder schlecht.

Manchmal kommt es vor, dass Teilnehmer einwerfen, mehrere Stiltypen zu repräsentieren – je nachdem, ob sie gerade im Job oder privat unterwegs sind. Das allerdings erschwert die Umsetzung erheblich und verwässert das eigene Profil. Denn erstens bräuchte derjenige mehrere Garderoben, um die verschiedenen Typen glaubwürdig zu leben, und zweitens würde er in einem der Stile immer nur eine Rolle spielen.

Bei den meisten Menschen schlägt das Herz für einen bestimmten Ausdruck. Sowohl Familie und Freunde als auch der Arbeitgeber haben außerdem ein Recht auf den ganzen Menschen, der in jedem Moment er selbst ist und keine Rolle spielt. Nur dann kann er sein Bestes geben, und nur dann wirkt die Ausstrahlung authentisch.

Je klarer also das Bild ist, desto stärker wird eine Persönlichkeit wahrgenommen, und wenn Selbstbild und Fremdbild übereinstimmen, entsteht Charisma. Ich möchte Ihnen daher Mut machen, sich mit der Typfrage zu befassen und die Auswahl von Düften für sich selbst und andere weniger der imageträchtigen Werbung zu überlassen als dem kerngesunden persönlichen Urteilsvermögen. Dabei kann gerade die Selbstreflektion durchaus vergnüglich sein, wenn die Wahl eines neuen Parfums ansteht.

Das Magazin „Stern“ widmete jüngst dem Lebenszyklus von Parfums einen bildhaften Artikel und liefert interessante Zahlen: Demnach gibt es aktuell rund 1100 Männer- und Frauendüfte auf dem deutschen Markt, deren Top 20 mit 1,6 Milliarden Euro 80 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Von den 380 Neuerscheinungen des Jahres 2013 waren die meisten nach sechs Monaten wieder vom Markt verschwunden.

Ein guter Duft braucht eben mehr als Aktualität, und auch ein genialer Evergreen erreicht seine Benutzer nur, wenn er treffend beworben wird, einer ausreichenden Klientel gefällt und für diese begehrenswert ist. Der Qualitätsbegriff bekommt im Duftgeschäft eine ganz eigene Dynamik.

Zum Glück entwickeln sich die Duftstoffe auf jeder Haut etwas anders, so dass eine gewisse Individualität auch bei beliebten Klassikern gewährleistet ist. Duschgel, Rasierwasser oder intime Körperpflegeprodukte zu schenken ist übrigens keine Sache des Chefs oder der Kollegen und könnte missverstanden werden.

Wenn Sie heute über ein Duftgeschenk nachdenken, brauchen Sie eine gute Beratung, um die Anforderungen an den Duft, den nur Sie als Freund/ Freundin oder Partner gut formulieren können, in die Duftsprache zu übersetzen.

Senior Parfumeur Marc vom Ende sagt: „Es gibt deutliche Qualitätsunterschiede der Beratung im Einzelhandel. Ein Merkmal guter Beratung ist, dass der Anbieter Fachwissen zu Parfumkreation, Duftvokabular, Parfumlandkarte und Markenhintergründen besitzt.“ Die Psychologie des Beschenkten spielt also genauso eine Rolle wie die Kunst der Auswahl. Als „Verlegenheitsgeschenk“ taugen Düfte überhaupt nicht, denn zu einem gelungenen Parfümkauf gehört viel.

Tipps für den gelungenen Einkauf

Bereiten Sie sich vor. Wer sich über seine Ausstrahlung im Klaren ist, zieht sich am besten entsprechend seinem Typ an. Es verbessert das Identitätsgefühl und die Qualität der Beratung, denn Verkäufer schließen durchaus vom Äußeren auf die Person und ihren Umgang mit Moden. Natürlich sind Sie an dem Tag nicht parfümiert und haben auch am Vortag nichts Außergewöhnliches gegessen, das die Körperchemie verändern könnte. Ein Besuch im Asien-Restaurant ist nämlich keine gute Idee, wenn der nächste Besuch der Parfümerie gilt.Anzeige

Im Laden sollten Sie sich schon für die optische Orientierung Zeit nehmen. Farbe und Flakon-Design erzählen eine Geschichte über den Inhalt, und helfen bei der Einschätzung, was sich lohnt, auf einem Papiertäfelchen schon einmal vorzukosten. Gerade im Weihnachtsgeschäft, wenn das Verkaufspersonal mit Aufräumen und Nachfüllen der Regale kaum nachkommt, sollten Sie allerdings selbst sicherstellen, dass Sie nur einen unbenutzten Papierstreifen erwischen.

Allzu oft liegen auch benutzte aus einem früheren Duftversuch griffbereit im Regal statt im Papierkorb. Wenn Ihre Nase Erholung braucht, neutralisieren Sie sie durch Riechen an den bereitgestellten Kaffeebohnen oder am eigenen Körpergeruch in der Armbeuge.

Ihre engste Vorauswahl von etwa drei Düften können Sie dann auf die Haut sprühen, um zu erleben, wie sie sich von der Kopfnote über die Herznote bis zur Basisnote entwickeln. Dazu verlassen sie die Parfümerie für etwa eine Stunde, damit sich ihre Nase erholen kann – aber auch, um immer wieder daran zu riechen und Ihren Favoriten in einem duftneutralen Umfeld zu definieren.

Erst die stimmige Verbindung eines Parfums mit dem individuellen Hautgeruch eines Menschen und mit seiner Ausstrahlung ist das Geheimnis guter Parfümierung. Das ist das Ziel. Und sie gelingt am besten durch Einkaufspraxis und die gedankliche Beschäftigung mit dem Empfänger. Scheuen Sie sich also nicht, beim Riechen und Erfahren von Parfums die Augen zu schließen. Was sich nach einer Stunde gut „anfühlt“ und ein realistisches Bild der Person, die es tragen soll, vor dem inneren Auge hochkommen lässt, ist höchstwahrscheinlich eine passende Komposition. Insbesondere, wenn sie mit Liebe ausgesucht wurde.