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Multi-kulturelle Fettnäpfchen – wo sie lauern

Business- und Social Knigge

Früher, vor sehr langer Zeit entstand ein Beruf, der heute buchstäblich kultig ist, so zeitgemäß wie nie: die Profession der „Schweizermacher“. In einem Land, das auf Innovation, Intelligenz und Know-how aus anderen Ländern setzte, war Integration normal. Und dafür gab es besagte Profis.

Wer aber macht uns nun international – und welches sind die Hürden in einem immer multikultureller werdenden Alltag? Mit der Internationalisierung erhöht sich nämlich nicht die Zahl der Länder, in denen  wir uns zuhause wähnen, sondern eher die Zahl der potenziellen Fettnäpfchen.

Die professionellen Integrateure kümmerten sich um Wohnung sowie bürokratische  Behördengänge und waren Meister darin, die Kultur des neuen Landes zu vermitteln. Heute läuft das vielfach ehrenamtlich. Kultureller Umgang ist aber keine Einbahnstraße, und umgekehrt dürfen wir uns auch ohne das Land zu wechseln mehr denn je fragen, welche Themen in der Kommunikation mit anderen Kulturen im Weg stehen können. Warum fragen wir nicht einmal unsere Geschäftspartner, neuen Nachbarn oder Kollegen, wie es bei ihnen so läuft – da, wo sie herkommen?

Es beginnt damit, dass in großen Teilen der Welt wie Südamerika, Asien oder auch Südeuropa indirekt kommuniziert wird. Deutsche aber kommunizieren direkt.

Wo der Dialog in anderen Ländern also ritualisiert wird, kommt man hierzulande gerne auf den Punkt, am liebsten schon im ersten Satz. Diese für Effizienz gehaltene Eigenheit kann im Austausch mit internationalen Gesprächspartnern aber für Irritationen sorgen und als unhöflich empfunden werden.

Wie bewegen wir uns inmitten der Kulturen? Was sind Gesten im Alltag, die unsere sensible Aufmerksamkeit verdient haben? Hier ein paar von ihnen:

Anrede: Heute begegnen uns Leute, die unsere Sprache lupenrein beherrschen und Namen tragen, die wir selbst nicht aussprechen können. Im multi-kulturellen Umgang sind viele Namen noch dazu mehrteilig, und in einer unbekannten Landesprache ist oft nicht zu erkennen, ob der mittlere Name zum Vornamen oder zum Nachnamen gehört. Es ist ein bisschen wie mit Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah, der Figur aus den Winnetou-Büchern von Karl May … Fragen Sie also am besten, wie Sie jemanden anreden und anschreiben dürfen, bevor Sie sich in der folgenden Korrespondenz oder in den sozialen Medien blamieren und sich entschuldigen müssen. Und bringen Sie in Erfahrung, wie der Name ausgesprochen wird!

Sprache: Manche Leute fangen an, Englisch zu sprechen, sobald sie jemandem aus einem anderen Kulturkreis begegnen. Das kann auch peinlich werden. Das erwähnte Gegenüber mit lupenreinem Hochdeutsch würde sich vermutlich amüsieren. Wenn Sie also niemand einander vorstellt, bieten Sie am besten das eigene Repertoire an Sprachen an und bedienen sich der kürzesten Sprache zwischen Menschen: dem Lächeln.

Distanz: Der Wohlfühl-Abstand von einer Armlänge ist nicht in allen Kulturen gesetzt. Zum Beispiel halten es lebendige Italiener ganz anders mit dem physischen Kontakt und der Häufigkeit des Anfassens. Auch die Länge und Intensität von Blickkontakten kann sehr unterschiedlich interpretiert werden und zu Missverständnissen führen. Die große Vielfalt an Möglichkeiten und die Abwesenheit von allgemeingültigen „Rezepten“ verlangt uns ab, dass wir immer wieder neu erspüren, wem wir wie nah kommen dürfen.

Dominanz: Es soll schon vorgekommen sein, dass ganze Teams eine Präsentation vor einer Runde von mehreren Zuhörern nur für den einen gehalten haben, der als Gastgeber tonangebend schien. Der Entscheider aber war ein ganz anderer – unauffällig im Hintergrund. Die indirekte Kommunikation braucht nicht immer im Vordergrund zu stehen.  Wer versteht, dass Bedeutung nicht mit Dominanz verbunden sein muss, kann seinen Blick für das ganze Publikum öffnen und damit Sympathien gewinnen.

Bräuche: Sitten und Gebräuche bleiben nicht zurück, wenn jemand reist. In England beispielsweise wird nicht gedrängelt. Schlange stehen gehört dort zur Basiskultur. Das höfliche Queuing-up ist also keineswegs „nice to have“, sondern einfach an der Tagesordnung. Diese Rituale zu kennen und zu achten, gehört zu jeder guten Reisevorbereitung.

Dresscode: Wenn er in vielen Deutschen Unternehmen lockerer wird, kann das für Betrachter aus anderen Ländern trotzdem befremdend sein. Im Umgang mit internationalen Geschäftspartnern kann ein formeller Auftritt daher die bessere Entscheidung sein. Genauso wie bei Hochsommerhitze weniger Haut zu zeigen: Denn während wir bei Wärme Kleidung ablegen, ist es in heißen Ländern Kult, sich durch mehr Textil vor der Hitze zu schützen.

Foto: Katharina Starlay